Autorin: Cecilie Brohm
Politische Kunst des 20. Jahrhundert
Seit über zwei Jahren ist es Interessierten möglich, in der Neuen Nationalgalerie in Berlin die Ausstellung “Zerreißprobe. Kunst zwischen Politik und Gesellschaft – Sammlung der Nationalgalerie 1945 – 2000” zu besuchen. Künstler*innen thematisieren in ihren Werken alle politischen und gesellschaftlichen Themen, die sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigten. Eine Ära, die im Nachhinein für Umschwung, Widerstand, Teilung aber auch Erneuerung steht, inspirierte schon zu seiner Zeit viele Künstler*innen ihre Gefühle zum Weltgeschehen auf verschiedene Arten festzuhalten.
Inspiriert von dieser Ausstellung starteten Radikale Töchter im Sommer 2025 eine Workshop-Reihe im Kulturforum der Neuen Nationalgalerie. In vier verschiedenen Workshops war es jungen und kunstinteressierten Menschen möglich, über die gesehene und erlebte Kunst in den politischen Austausch zu kommen.
Ein radikaler Workshop als Ventil –
Die Workshopgeber*innen Sophia und Johanna brachten den Teilnehmer*innen mit Hilfe der typischen Workshop-Elemente die Methoden der Aktionskunst näher. Anhand von echten Beispielen der Aktionskunst wurden den Teilnehmenden die Bandbreite der Aktionskunst verdeutlicht und die Entwicklung von möglichen Handlungsideen losgetreten.
Das neu erlernte Wissen über die Methode der Aktionskunst eröffnete außerdem eine neue Gesprächsebene im Austausch über die Ausstellung. Fragen wie: Welche Exponate gehören zur Aktionskunst? Und warum? standen nun im Raum. Besonders die Installation “Tapp- und Tastkino” von Valie Export hallte in einem Workshop mit vielen FLINTA* Teilnehmer*innen noch lange nach.
Warum sollte eine Frau ihren Körper Ende der 1960er Jahre oder aber auch heute selber so zur Schau stellen? Einige Teilnehmer*innen wurden wütend und frustriert über die Sexualisierung des weiblichen Körpers bei wirklich jeder denkbaren Möglichkeit. Die ersten WUTThemen machten sich innerhalb der Gruppe deutlich.

VON DER WUT IN DEN MUT
Genau wie in der Ausstellung hätten die WUTThemen der einzelnen Teilnehmer*innen nicht unterschiedlicher sein können.
Von dem ländlichen Mangel an Kulturangeboten über Feminismus bis hin zum kostenlosen öffentlichen Nahverkehr wurden alle Themen genannt. Die ausgelösten Gefühle durch die Ausstellung waren noch sehr präsent, als es an die WUTThemenfindung ging. Denn zwischen aktuellen Erlebnissen und persönlichen Erfahrungen wurde auch die gesehene Ausstellung, bei der Ausführung der WUTThemen genannt.
Um von der Wut in den Mut zu gelangen, schlossen sich die Teilnehmenden zusammen und bildeten Banden, die sich dann jeweils einem WUTThema widmeten und daraus ein Konzept für eine Aktion entwickelten. Vielfältige Ideen, wie Straßensperrungen, Stadt-Land-Freundschaften oder auch Konzepte für Streiks entstanden gemeinsam in kürzester Zeit.
Durch die Zusammenarbeit von der Neuen Nationalgalerie und Radikale Töchter war es kunstinteressierten Menschen möglich, nach dem Besuch einer Ausstellung direkt in den aktiven Austausch zu gehen. Unser gemeinsames Projekt ermöglichte uns die frohe Botschaft der Aktionskunst jungen Menschen näher zu bringen und in den Dialog über die Möglichkeiten dieser Methode zu kommen.
© Bilder: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Neue Nationalgalerie / Marcus Glahn

